Teil 1: Grüße aus Utopia: Eine Welt ohne Plastik?

Teil 1: Grüße aus Utopia: Eine Welt ohne Plastik?

Stell Dir vor:

Saubere Landschaften. Flüsse und Meere, die Raum bieten für gesundes Leben zu Land und zu Wasser. Luft und Trinkwasser, das frei von Giftstoffen aus Plastikmüll ist.  Das ist eine schöne Vision. Wir sind leider noch weit entfernt von einer Welt ohne Plastik.

Hast Du gewusst, …

  • dass wir weltweit jährlich ca. 400 Millionen Tonnen Plastik produzieren?
  • dass jedes Jahr etwa zehn Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren landen und insgesamt geschätzt bisher 86 Millionen Tonnen Plastik im Meer gelandet sind?
  • dass der Plastikmüll sich in riesigen Teppichstrudeln sammelt, einer davon im Pazifik viereinhalb mal so groß wie Deutschland?
  • dass weltweit über 3.000 Tierarten unter unserem Plastikmüll leiden und daran sterben?
  • dass das Mittelmeer – obwohl es nur ein Prozent der weltweiten Gewässer ausmacht – sieben Prozent des globalen Mikroplastiks beherbergt?
  • dass über die Nahrungskette dieses gesundheitsschädliche (Mikro-)Plastik auf unseren Tellern landet?
  • dass Deutschland der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll – hinter den USA und Japan – ist ?
  • dass Plastikprodukte wie Kaugummi, Zigarettenfilter, Plastikbecher, Besteck, Strohhalme, etc. nicht oder erst nach Jahrhunderten verrotten?
  • dass die CO2-Emmision eines Polyester-Shirts zwischen 3,8 und 7,1 Kilogramm beträgt?
  • Dass Coca-Cola eine jährliche Einweg-Plastikflaschenproduktion von 88.000.000.000 hat und dass 88 Milliarden aneinandergereiht eine Strecke von 31-mal zum Mond und zurück ausmachen?
  • dass das Geschäft mit dem Plastik für international agierende Unternehmen ein sehr lukratives ist? Sei es in der Herstellung von Plastikverpackungen oder Produkten oder im Zusammenhang mit dem Export von Plastikmüll ins Ausland.

In diesem Blogartikel gehen wir auf einige Hintergründe der Plastikkrise ein.
Ab nächster Woche stellen wir dann im wöchentlichen Rhythmus einen Themenbereich unseres Alltags vo, in welchem wir mit Plastik konfrontiert werden und für den wir gerne Wege zur Müllvermeidung „im Kleinen“ und Anstöße zum Umdenken aufzeigen möchten.

Recycling, das Allheilmittel?

Wir machen brav Mülltrennung und denken, dann ist alles gut, denn für unseren Plastikmüll gibt es ja Recycling. Aber die bittere Wahrheit ist, dass wir den Großteil des Mülls, den wir produzieren, nicht recyceln, sondern z.B. nach Südostasien exportieren. Dort laufen die Mülldeponien über und der Plastikmüll landet in der Umwelt, in den Flüssen und dadurch letztendlich im Meer.

Warum gibt es überhaupt so viele Plastikprodukte und warum werden sie immer noch hergestellt?

In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts stellte die petrochemische Industrie fest, dass aus deren Abfallprodukten Erdöl und Erdgas billig Kunststoff herzustellen ist. Eine mächtige Industrielobby entstand, die seither stetig die Nachfrage nach diesen Kunststoffen schürt. Der zunehmende Massenkonsum in den späten 1950er-Jahren und die Aussicht, entfernte, neue Märkte zu erobern, führte die Industrie auf den Weg, Geld einzusparen. Lieferketten wurden vereinfacht, indem Verpackungen und Flaschen nach der Nutzung weggeworfen wurden. Ein erster Schritt in unsere heutige Wegwerfmentalität.

Die Diskussion geht immer wieder dahin, dass wir mehr recyceln müssen. Was an sich sinnvoll ist, denn wir müssen wertvolle, knappe Rohstoffe wie Erdgas und Erdöl recyceln und wiederverwenden. Es gibt dabei aber ein Problem, denn wir können gar nicht so viel recyceln, wie wir Plastik in die Welt setzen. Oder es wird aus wirtschaftlichen Gründen nicht so viel recycelt, wie möglich wäre. Denn es ist billiger, den Müll zu verschiffen. Die Müllströme verlagern sich nach Asien wo manche Länder in die Abhängigkeit geraten. Diese Länder profitieren finanziell davon, dass sie unseren Müll aufnehmen.

Doch das geht so nicht mehr lange weiter:

2018 verhängt China jedoch einen Importstopp für Plastikmüll. 2019 kündigen auch Malaysia und weitere asiatische Staaten einen Importstopp für Plastikmüll an.

Was können wir gegen die Plastikkrise tun?

Als Konsumenten können wir der Misere nur entgegen wirken, indem wir weniger Plastikprodukte und Verpackungen verwenden.  Und vor allem auch dadurch, dass wir uns als politische Menschen darum bemühen, dass Plastikproduktion an der Quelle gestoppt wird. Die Plastikindustrie, welche der eigentliche Verursacher hinter den Kulissen ist, muss an den Umweltkosten und Abgaben für Erdöl und Erdgas beteiligt werden. Die größten Plastikhersteller sind ExxonMobil, BASF, Eni, INEOS und Dow. Mit ihren fast 420 Milliarden Umsatz beherrschen sie den globalen Plastikmarkt. Sie planen, die Produktion in den nächsten Jahren weiter zu erhöhen. Die massenhafte und billige Verfügbarkeit von Erdöl und Erdgas (z.B. billiges Fracking-Gas aus den USA) sorgt dafür, dass nicht genug recycelt wird und eine echte Kreislaufwirtschaft nicht in Gang kommt. Dankbare Abnehmer sind große Konsumgüterriesen wie Procter & Gamble, Unilever, Nestlé, Coca-Cola und PepsiCo.

Es gibt jedoch auch einen Hoffnungsstreif am mit Plastikmüll verstopften Horizont:

Weltweit werden immer mehr Menschen aktiv. Es gibt viele Gruppen von AktivistInnen, die offen gegen große Unternehmen protestieren. KonsumentInnen protestieren online. Immer mehr Menschen und sogar ganze Städte leben nach dem Zero-Waste-Prinzip oder versuchen zumindest, weniger Plastikmüll zu verursachen.  Das Problem an der Wurzel zu bekämpfen.

Der EU-Rat beschloss im Mai 2019 ein Verbot von Einwegplastik, das ab Juli 2021 in der gesamten Europäischen Union umgesetzt werden soll. Dieses Verbot umfasst z.B.

  • Strohhalme
  • Einweggeschirr
  • Wattestäbchen
  • Luftballonstäbe
  • Rührstäbchen
  • Verpackungen aus aufgeschäumtem Polystyrol, wie sie beim to-go-Kauf von heißen Lebensmitteln oder Getränken benutzt werden.
  • Aber auch sogenanntes „oxo-abbaubares Plastik“, ein Material mit Metallbeimischung, das z.B. für dünne Beutel und Verpackungen verwendet wird und im Müll in kleinste Mikroteilchen zerfällt.

Es gibt zahlreiche andere, erfolgversprechende Maßnahmen in dieser Verordnung. So soll z.B. die Zigarettenindustrie an den Kosten für die Müllentsorgung der Plastikfilter beteiligt werden. Unsere Vision rückt näher…aber es ist noch ein sehr weiter Weg.

Wie können wir selbst unseren eigenen Alltag plastikfreier gestalten?

Nächste Woche geht es weiter mit Tipps für ein Leben mit weniger Plastik. Wir freuen uns, wenn Du dann wieder bei unseren Neuigkeiten vorbeischaust.

Du hast selbst Tipps für unsere Leser für ein möglichst plastikfreies Leben? Wir freuen uns über Deinen Kommentar oder Eintrag in unser Gästebuch!

 

Quellenangaben:

Wer sich zu diesem Thema schlau machen möchte, dem empfehlen wir folgende Quellen, auf denen auch die Informationen in diesem Artikel basieren:
www.boell.de/de/plastikatlas

Ganzer Plastikatlas als PDF, der hier gratis zum Download verfügbar ist:
https://link.hoerbert.com/lYTA0

Video der Heinrich Böll Stiftung:
https://link.hoerbert.com/OLILc

Informationen zum EU-Einwegplastikverbot:
https://link.hoerbert.com/T1JBu

https://link.hoerbert.com/8VQ6S

 

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