Millimeter, die den Unterschied machen

Millimeter, die den Unterschied machen

Form follows Function.

Lapidar könnte man das so übersetzen: “Die Form ergibt sich aus der Funktion” Klingt einfach, oder nicht? Das hört sich an, als ob man sich die Funktion ausdenkt, und schwupps entsteht die Form? So einfach ist es nicht.

Eine korrektere Übersetzung wäre: “Die Form unterstütze die Aufgabe”. Aha! Schon wird eine ganz konkrete Designrichtlinie daraus. Die Form wird nicht mehr zu einem mehr oder weniger zufälligen Ergebnis, und das Wort Aufgabe macht klar, dass es um den beabsichtigten Nutzen geht.

Betrachtet man beispielsweise hörberts Ein/Ausschalter, dann könnte er der Funktion nach überall sitzen. Die Form wäre beliebig, und nur dem Geschmack des Designers überlassen. Aber da ist ja noch die Aufgabe für das Gesamtprodukt: hörbert ist für die Benutzung durch Kinder konzipiert, und deshalb gehören RobustheitSicherheit, Reparierbarkeit, Spielwert und Genugtuung zu seinen Aufgaben. Sie bringen den Besitzern einen Nutzen.
Die Robustheit sieht man dem Schalter schon an, und man hört und spürt sie sofort. Dieser Schalter ist für weit größere Aufgaben entwickelt worden, kann weit größere Ströme schalten, und ist für hörbert eigentlich völlig überdimensioniert – jedoch mit Absicht: Sein fettes KLACK! beim Schalten beinhaltet schon für sich einen Spielwert und eine Genugtuung. Dazu muss man nur einem Kleinkind zuschauen, das sich einmal ausgiebig mit dem Schalter beschäftigt, bis es ihn zuverlässig greifen und umlegen kann.
Für den Spielwert und die Genugtuung darf jedoch die Sicherheit nicht geopfert werden. Die elektrische Spannung und der Strom aus den Akkus/Batterien ist zu klein, um die Sicherheit des Kindes zu gefährden, aber da wäre ja noch die Verletzungsgefahr durch die Physik:
Um die Sicherheit gegen Verletzungen zu schaffen, ist der Schalthebel des Schalters nur kurz. Der Schalter wird zudem links von hörberts Griff und rechts von hörberts Lautstärkeregler flankiert, damit er nicht wie ein kleiner Spieß frei nach außen zeigt. Stattdessen können links und rechts höhere und abgerundete Elemente einen Aufprall von Körperteilen abfangen. Das Ergebnis: Der relativ dünne Kipphebel kann sich nicht in ein Körperteil bohren.
Warum wir genau diesen Schalter verbauen? Der Knüppel des Schalters ist bei diesem Modell so ausgeführt, dass Kinder sich nicht zwischen Knüppel und Schaltergehäuse einklemmen können. Fast alle Knüppelschalter haben an dieser Stelle eine sehr große Öffnung, in die neben Schmutz und Staub leider auch die Haut zwischen den Fingern hineingeraten kann. Nicht so bei hörbert.
Außerdem ist der Schaltknüppel von innen montiert, sodass er sich mit keiner Kraft nach außen abreißen lässt.

Die einzige Kraft, die den Schalter überhaupt beschädigen kann, muss von oben gezielt auf den Knüppel treffen, um ihn nach innen durch das Gehäuse schlagen – wenn man ihn denn richtig trifft. Das ist der Moment, in dem die Reparierbarkeit einen Nutzen bringt: Um den Schalter tauschen zu können, löten wir ihn nicht einfach an hörberts Elektronik an, sondern wir verwenden einen Stecker am Kabel und eine passende Buchse auf hörberts Elektronik. Dadurch kann der Schalter einfach abgeschraubt, ausgesteckt, ausgetauscht und wieder festgeschraubt werden. Mit ein klein wenig technischem Verständnis, Werkzeug und Geschick klappt das sogar zuhause.

Viele Entscheidungen machen ein gutes Design aus – und nicht umsonst hat es hörbert im Jahr 2014 in eine Ausstellung im Museum of Modern Art in New York geschafft.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.